Wer sind Sie und womit beschäftigen Sie sich aktuell?
Wir sind Damaris Randecker und Darja Ferber, beide Alumni der Hochschule der Medien und inzwischen mit viel Herzblut als Accessibility Consultants bei der adesso SE tätig. In unserem Arbeitsalltag dreht sich alles darum, digitale Inhalte für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Wir unterstützen Unternehmen und Behörden dabei, Barrierefreiheit nicht als lästige Zusatzaufgabe, sondern als festen Bestandteil ihrer bestehenden Prozesse zu verstehen und zu verankern. Dafür prüfen wir Websites, Apps und Dokumente, identifizieren konkrete Barrieren und entwickeln gemeinsam mit den Teams praxisnahe Maßnahmen, um diese Schritt für Schritt abzubauen. So übersetzen wir abstrakte Anforderungen an digitale Barrierefreiheit in Lösungen, die im Projektalltag wirklich funktionieren.
Worum geht es in Ihrem Vortrag beim Accessibility Day?
In unserem Vortrag „Unser Teammitglied KI: Effizient, hilfreich – aber nicht unfehlbar“ öffnen wir ein Stück weit die Tür zu unserem Arbeitsalltag als Beraterinnen für Digitale Barrierefreiheit. Wir zeigen, wie wir KI-Tools ganz konkret in Projekten einsetzen, bei welchen Aufgaben uns KI bereits unterstützen kann und wie sie uns hilft, effizienter zu arbeiten. Gleichzeitig sprechen wir offen über die Grenzen: Wir thematisieren, wo KI echte Mehrwerte schafft und an welchen Stellen sie scheitert, weil menschliche Expertise, Kontextwissen, Erfahrung und kritisches Denken unverzichtbar bleiben.
Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie beim Einsatz von KI für Barrierefreiheit?
Der Einsatz von KI bietet aus unserer Sicht große Chancen für die digitale Barrierefreiheit. Als unterstützendes Werkzeug kann sie die Erstellung von Inhalten deutlich erleichtern, etwa indem sie Alternativtexte vorschlägt, Übersetzungen erzeugt, Untertitel generiert oder Inhalte sprachlich vereinfacht. Viele kleinteilige, wiederkehrende Aufgaben lassen sich damit vorbereiten, sodass mehr Raum für das entsteht, was die eigentliche Qualitätsarbeit ausmacht: gründliche fachliche Prüfungen, durchdachte konzeptionelle Entscheidungen und der Blick auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer.
Gleichzeitig sehen wir erhebliche Herausforderungen: KI-Systeme werden oft mit Daten trainiert, die selbst nicht barrierefrei sind, und reproduzieren damit bestehende Defizite weiter. Das geschieht manchmal subtil, aber immer mit realen Auswirkungen. Hinzu kommt, dass KI-gestützte Ergebnisse nicht selten ungenau oder schlicht falsch sind und die geltenden Anforderungen an Barrierefreiheit nicht zuverlässig erfüllen. Deshalb ist es für uns zentral, KI nicht als generelle Lösung für Barrierefreiheit zu verstehen, sondern als unterstützende Technologie, deren Ergebnisse immer kritisch geprüft, fachlich eingeordnet und verantwortungsvoll eingesetzt werden müssen.