3 Fragen an Klaus Honold– Aussteller beim Accessibility Day

Unter dem Motto „Künstliche Intelligenz für Barrierefreiheit“ bringt der Accessibility Day unterschiedliche Perspektiven aus Praxis, Forschung und Design zusammen. Einer der Aussteller ist Klaus Honold, wissenschaftlicher Mitarbeiter am KDB, der sich intensiv mit assistiven Technologien und digitaler Barrierefreiheit beschäftigt. Wir haben ihm vorab drei Fragen gestellt:

Wer sind Sie und womit beschäftigen Sie sich aktuell?

Ich bin Klaus Honold und seit Oktober 2021 wissenschaftlicher Mitarbeiter am KDB. Zu meinen wesentlichen Aufgaben gehört u. a. das Projekt AT-Lab, das ich gleich noch ausführlicher beschreibe. Darüber hinaus gebe ich Workshops zum Thema digitale Barrierefreiheit, überwiegend in Form digitaler Mini-Workshops. Diese gestalte und betreue ich auch als Selbstlernangebote in Form von Abo-Kursen.

Hinzu kommen verschiedene Organisations- und Sekretariatsaufgaben am KDB. Aufgrund einer eigenen Seheinschränkung nutze ich selbst assistive Technologien und bin somit auch ein empirischer Tester im Team sowie in sogenannten Live-Experience-Veranstaltungen. Im Sinne des Forschungsgedankens beobachte ich dabei, wie sich assistive Technologien weiterentwickeln – insbesondere auch im Hinblick auf KI.

Worum geht es bei Ihrem Stand beim Accessibility Day?

Das AT-Lab ist ein freiwilliges, studiengangübergreifendes Angebot für alle Studierenden an der HdM. „AT“ steht für assistive Technologien (assistive technologies). Es bietet die Möglichkeit, sich – auch spielerisch – mit assistiven Technologien auseinanderzusetzen und dabei die Vielfalt unterschiedlicher Nutzerbedürfnisse kennenzulernen. Darüber hinaus geht es auch darum, den technischen wie gesellschaftlichen Mehrwert für alle Menschen im Sinne des universellen Designs zu erfahren. An unserem Stand präsentieren wir verschiedene technische Hilfsmittel, wie sie von Menschen mit unterschiedlichen Bedarfen im Alltag eingesetzt werden – beispielsweise in den Bereichen Sehen, Hören und Motorik. Mithilfe eines interaktiven Spiels möchten wir zudem ins Gespräch kommen und einen niedrigschwelligen Zugang zu Alltagsthemen rund um Barrierefreiheit schaffen.

Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie beim Einsatz von KI für Barrierefreiheit?

Grundsätzlich kann KI – wie für alle Menschen – eine wesentliche Erleichterung im Alltag darstellen, da sie Aufgaben übernimmt, für die man selbst mehr Aufwand betreiben müsste. Beim Verfassen von Texten zeigt sich dies beispielsweise darin, dass Inhalte schneller erstellt werden können, während gleichzeitig visuelle oder motorische Belastungen reduziert werden. Auch für Menschen mit kognitiven Bedarfen, etwa bei einer Rechtschreibschwäche, kann KI eine wertvolle Unterstützung sein. Sie kann zu mehr Eigenständigkeit beitragen, da man weniger auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Das betrifft auch organisatorische und finanzielle Aspekte, da die Beantragung und Nutzung von Assistenzleistungen häufig mit bürokratischem Aufwand und Kosten verbunden ist – etwa im Arbeitsalltag oder bei Gebärdensprachdolmetschung durch Avatare. Auch der Einsatz von Robotik im Gesundheitsbereich, beispielsweise in der Pflege, oder KI-gestützte Alternativen zu Blindenführhunden sind hier zu nennen.

Die Herausforderungen und Risiken sehe ich ähnlich wie in der allgemeinen Diskussion um KI: In vielen Fällen ist sie noch nicht so weit entwickelt, dass sie vollständig ohne menschliche Kontrolle eingesetzt werden sollte. Zudem stellt sich die grundlegende Frage, in welchem Maß menschliches Handeln durch KI ersetzt werden soll und in welchen Bereichen wir bereit sind, Verantwortung an technische Systeme zu übergeben. Ein weiterer zentraler Aspekt ist der Datenschutz – insbesondere, wenn es um sehr persönliche Informationen von Menschen mit besonderen Bedarfen geht. Es besteht die Gefahr, in Abhängigkeiten, etwa von internationalen Konzernen, zu geraten und dass sensible Daten unkontrolliert weitergegeben werden. Daraus könnten konkrete Nachteile entstehen, beispielsweise im Versicherungsbereich. Insgesamt bleibt der Einsatz von KI eine Abwägung zwischen Chancen und Risiken. Entscheidend ist, dass jede Person selbstbestimmt entscheiden kann, ob und wie sie KI nutzen möchte. Ich persönlich nutze KI im Alltag, etwa bei der Sprachsteuerung meines Smartphones oder beim Diktieren von Texten – wie auch bei diesem Interview. Dabei bleibt jedoch die menschliche Kontrolle für mich unverzichtbar.

Morgen findet der neunte Accessibility Day statt

Unter dem Schwerpunkt „Künstliche Intelligenz für Barrierefreiheit“ erwartet Sie ein abwechslungsreiches Programm mit spannenden Vorträgen und Einblicken. Die Veranstaltung entsteht in Kooperation mit AccessibleEU. Die Teilnahme ist kostenlos, Sie dürfen sich aber vorher anmelden . Wir freuen uns auf einen inspirierenden Tag und viele neue Impulse!

  • Wann? Freitag, 24.04.2026, 11:00 – 17:00 Uhr
  • Wo?  Audimax i003, Hochschule der Medien, Nobelstr. 8, 70569 Stuttgart - oder online auf zoom (Meeting Kenncode: 165483)

Kommende Termine

Was können wir für Sie tun?

Welche Themen rund um digitale Barrierefreiheit interessieren Sie besonders?

Teilen Sie uns Ihre Wünsche gerne über unsere Umfrage mit. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!

Herzliche Grüße

Gottfried Zimmermann, Leandra Kraft und das Team des Kompetenzzentrums

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