Prof. Dr. Christian Rathmann beim Accessibility Day über KI und Gebärdensprachen

Für alle, die nicht am Accessibility Day teilnehmen konnten, fassen wir in den kommenden Newslettern die Vorträge des Tages kurz zusammen.

Prof. Dr. Christian Rathmann sprach beim Accessibility Day über die aktuellen Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz und Gebärdensprachen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie KI-Systeme künftig zu mehr Barrierefreiheit beitragen können und wo ihre Grenzen liegen.

Rathmann machte deutlich, dass KI im Bereich der Gebärdensprachen bereits beachtliche Fortschritte erzielt hat. Systeme zur Gebärdenerkennung können heute Handformen, Bewegungen oder räumliche Strukturen analysieren und in digitale Prozesse integrieren. Auch Avatare und automatische Übersetzungen entwickeln sich technisch weiter und wirken inzwischen deutlich natürlicher als noch vor einigen Jahren.

Gleichzeitig betonte er jedoch, dass Gebärdensprachen wesentlich komplexer funktionieren als gesprochene Sprachen. Für Gebärdensprache tragen Hände, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und die Nutzung des Raumes gleichzeitig Bedeutung. Diese Vielschichtigkeit könne von heutigen KI-Modellen bislang nur eingeschränkt verarbeitet werden. Ein zentrales Thema des Vortrags war deshalb die Frage nach „wirksamer Kommunikation“. Entscheidend sei nicht allein, ob ein System technisch funktioniert, sondern ob Informationen tatsächlich verständlich und zuverlässig bei den Nutzerinnen und Nutzern ankommen. Gerade in sensiblen Bereichen wie Medizin, Bildung, Justiz oder Notfallsituationen seien aktuelle KI-Lösungen daher kritisch zu betrachten.

Positiv bewertete Rathmann dagegen standardisierte Einsatzszenarien, etwa einfache Informationssysteme an Bahnhöfen oder in öffentlichen Einrichtungen. Dort könnten KI-gestützte Avatare bereits sinnvoll zur Barrierefreiheit beitragen. Darüber hinaus sprach Rathmann über ethische und gesellschaftliche Fragen. Gebärdensprachdaten seien eng mit den Menschen verbunden, die diese Sprache nutzen. Deshalb müsse die Gebärdensprachgemeinschaft aktiv in die Entwicklung und Bewertung solcher Systeme eingebunden werden. Fragen nach Datenschutz, Datensouveränität und Verantwortung seien dabei zentral.

Sein Fazit: KI bietet großes Potenzial für mehr Teilhabe und Barrierefreiheit, ersetzt jedoch derzeit keine menschliche Kommunikation oder professionelle Dolmetschung. Damit KI-Systeme künftig sinnvoll eingesetzt werden können, brauche es nicht nur technische Weiterentwicklung, sondern auch sprachliche, ethische und gesellschaftliche Verantwortung.

Die vollständige Aufzeichnung des Vortrags finden Sie jetzt auf unserem YouTube Kanal: Vortrag ansehen (öffnet neues Fenster)

Schon gewusst? Der Easy-Web-Check

Mit unserer neuen Newsletter-Reihe rund um den Easy-Web-Check möchten wir in den kommenden Wochen verschiedene Funktionen, Einsatzmöglichkeiten und Hintergründe des Tools vorstellen. Dabei geben wir Einblicke aus der Praxis, beantworten häufige Fragen und zeigen, wie digitale Barrierefreiheit einfacher geprüft werden kann.

Mit dem Easy-Web-Check können Webseiten schnell und unkompliziert auf Aspekte der digitalen Barrierefreiheit geprüft werden. Das Tool kombiniert automatische Prüfungen mit manuellen Sichtprüfungen und ermöglicht dadurch einen niedrigschwelligen Einstieg in die Barrierefreiheitsprüfung.

Der Easy-Web-Check bietet dabei zwei verschiedene Modi:

  • Im Easy-Modus können Websites vereinfacht auf Barrierefreiheit geprüft werden. Dieser Modus richtet sich insbesondere an Personen ohne technische Vorkenntnisse und eignet sich ideal für einen schnellen Einstieg.
  • Der Expertenmodus ermöglicht eine umfassendere Prüfung nach EN 301 549. Es können Prüfberichte erstellt werden, die beispielsweise als Nachweis für die Erklärung zur Barrierefreiheit genutzt werden können.
  • Ziel des Easy-Web-Checks ist es, Barrierefreiheit verständlicher und leichter zugänglich zu machen und gleichzeitig erste konkrete Verbesserungsmöglichkeiten sichtbar zu machen.

    Bei beiden Modi können kostenlose Angebote für eine menschliche Expertenprüfung angefordert werden, die dann die verbleibenden oder alle Prüfschritte beinhaltet, je nach Wunsch. Easy-Web-Check kostenlos nutzen! (öffnet neues Fenster)

Knowledge Badges KB-BFL und KB-EAA: Jetzt anmelden

Ab sofort kann man sich zu den Prüfungen zum Knowledge-Badge „Barrierefrei Lehren“ (KB-BFL) und zum Knowledge Badge „European Accessibility Act“ (KB-EAA) anmelden: Zur Prüfung anmelden. Die Prüfungsgebühren sind im Bereich 50-200€ je nachdem, für welche Prüfung man sich anmeldet und ob man IAAP-Mitglied ist.

Der Prüfungszeitraum ist Juni-Juli 2026. Unter anderem finden zwei Prüfungen in Stuttgart an der Hochschule der Medien statt: Am Freitag 26.06.2026 um 14.00 Uhr (KB-EAA), und am 24.07.2026 um 14.00 Uhr (KB-BFL). Weitere Prüfungstermine siehe Knowledge-Badge „Barrierefrei Lehren“ (KB-BFL) und Knowledge Badge „European Accessibility Act“ (KB-EAA).

Die Knowledge Badges sind eine Ergänzung zu den IAAP-Zertifikaten (CPACC, WAS, ADS). Sie sind vom Lernumfang kleiner als die IAAP-Zertifikate und adressieren spezifische Anwendungsfelder für digitale Barrierefreiheit. Zum KB-BFL gibt es einen Syllabus und einen kostenlosen Online-Lernkurs. Zum KB-EAA gibt es zurzeit nur einen Syllabus; im Herbst findet ein kostenpflichtiger Weiterbildungskurs von der Hochschule der Medien in Stuttgart statt.

Syllabi und weitere Informationen zu den Knowledge Badges auf github:

Kommende Termine

Was können wir für Sie tun?

Welche Themen rund um digitale Barrierefreiheit interessieren Sie besonders?

Teilen Sie uns Ihre Wünsche gerne über unsere Umfrage mit. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!

Herzliche Grüße

Gottfried Zimmermann, Leandra Kraft und das Team des Kompetenzzentrums

Vom Newsletter abmelden
Zum Newsletter anmelden